| Text: | Stimme dem Peter voll und ganz zu!
Ich weiß nicht, ob ihr das mitbekommen habt, aber ich bekam von der Stip.stelle 7 Monate kein Geld, weil die Zeugnisse 1 1/2 (!!) Monate per Postweg nach Österreich brauchten und die somit zu spät zum Einreichetermin angekommen sind. Dass daraus eine Diskussion erfolgte, könnt ihr euch vorstellen, doch das soll hier nicht Thema sein. Sondern die Erfahrungen, die ich im sozialen Bereich während dieser Zeit erfuhr. Zum einen lernte ich, wie man mit unglaublich wenig Geld auskommen kann und trotzdem einen grausigen niederländischen Winter ohne Depression durchsteht. Indem man sich ein wenig mehr mit seinen Mitmenschen befasst und sie zu sich nach Hause einlädt anstatt in ein Lokal zu geht, wo man unverschämt hohe Preise bezahlen muss. Zweitens: Unumgänglich in so einer Situation ist, die Leute fragen, ob sie einem Geld borgen. Damit begann ich erst sehr spät, als es wirklich nicht mehr anders ging und ich mir Gedanken machen musste, wie ich grundlegende Lebensmittel bezahlen könnte. Da half mir mein jetziger Freund sehr und lud mich oft zum Abendessen in sein Zimmer ein. Wofür ich ihm noch sehr lange dankbar sein werde. Weiters half mir eine Freundin, die mit mir studiert. Was noch sehr wichtig war, dass ich Aufschub für die laufende Miete bekam und trotzdem in ein größeres Zimmer ziehen durfte. Das sind alles Beispiele, dass das Soziale, wenn es darauf ankommt und gerechtfertigt ist noch existiert.
ABER: Letztens habe ich mit besagtem Freund und einer Bekannten mir 'Black cat, white cat' angesehen. Der Film, obwohl ich ihn schon zum zweiten Mal sah, war sehr lustig und ich habe die ganze Zeit über, ganz nach meiner Manier, lauthals gelacht. Und wißt ihr, was?? Ich war die einzige, Jeroen konnte sich noch manchmal einen Lacher abringen, doch an Maaike ging der Film scheinbar völlig vorüber. Dieses Beispiel ist exemplarisch, es passiert mir ständig so etwas. Teils wird es dies mit Kulturunterschiedsargumenten erklärt, 'die Niederländer sind kein emotionales Volk und halten sich ständig zurück'. So wie Peter das aber geschildert hat, dürfte das eine Wohlstanderscheinung und keineswegs auf ein Land/Volk beschränkt sein.
Ich bin dafür, den Wohlstand zu drosseln und wieder mehr Wert auf sozialen Kontakt und Gefühle zu legen. Wie schon Ambros sang: 'A Mensch mecht i bleim...'
Was hat das alles mit der obigen Geschichte zu tun? In der Zeit ging es mir finanziell echt mies, doch so viel Freundlichkeit und auch Freude habe ich selten davor erfahren. Das lehrte mich, wie wenig an Materiellem eigentlich notwendig ist. Diese Einstellung habe ich beibehalten, der Mensch (und die Umwelt) sind noch immer das Wichtigste. Doch dieses Wissen geht scheinbar immer mehr verloren. Wünsche euch noch ein schönes und menschliches und vor allem bewegendes Wochenende, Anita |